Das Thema kurz und kompakt
↗ Die Pflicht gilt jetzt: Das BAG-Urteil vom 13. September 2022 verpflichtet alle Arbeitgeber zur Erfassung der gesamten Arbeitszeit -sofort, ohne Übergangsfrist und unabhängig von der Mitarbeiterzahl.
↗ Gesetz kommt 2026: Ein Entwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes wird für Juni 2026 erwartet. Geplant ist die elektronische Erfassung für die meisten Betriebe, mit Ausnahmen für Betriebe unter zehn Mitarbeitern.
↗ Bußgeld bis 30.000 €: Behörden kontrollieren schon heute. Wer wartet, bis das Gesetz „offiziell" gilt, riskiert Nachzahlungen und Strafen.
↗ Abrechnung mitdenken: Erfasste Stunden müssen am Ende in Lohn und Rechnung fließen. Genau diese Kette übernimmt Smalt für Handwerksbetriebe. Im Erstgespräch klären, was sich lohnt.
Gilt die Zeiterfassungspflicht wirklich für mich?
Kurz gesagt: ja. Die Pflicht stammt nicht aus einem neuen Gesetz, sondern aus einem Urteil. Am 13. September 2022 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass Arbeitgeber in Deutschland die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen müssen. Grundlage ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2019. Wichtig für dich als Handwerkschef: Diese Pflicht gilt sofort, ohne Übergangsfrist und unabhängig davon, ob du zwei oder zwanzig Leute beschäftigst.
Was häufig falsch verstanden wird: Es geht nicht nur um Überstunden. Erfasst werden muss Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit -inklusive Pausen. Für Soloselbstständige ohne Angestellte besteht die Pflicht nicht, sobald aber der erste Geselle oder Azubi auf der Lohnliste steht, bist du in der Verantwortung.
Behörden prüfen das bereits aktiv, auch ohne finales Gesetz. Wer im Zweifel keinen Nachweis vorlegen kann, steht bei einer Kontrolle oder einem Streit vor Gericht schlecht da -im Zweifel gilt dann die Aussage des Mitarbeiters.
Was sich 2026 gesetzlich ändert
Das, was bislang nur als Urteil existiert, soll 2026 in ein konkretes Gesetz gegossen werden. Der Entwurf zur Reform des Arbeitszeitgesetzes wird für Juni 2026 erwartet und ist an die geplante Umstellung auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit gekoppelt -mit bis zu zwölf Stunden täglich, solange die Wochengrenze eingehalten wird.
Für die Erfassung selbst zeichnet sich ab: Die elektronische Aufzeichnung wird für die meisten Betriebe vorgeschrieben. Geplant ist eine Ausnahme für Betriebe mit weniger als zehn Mitarbeitern -die dürften weiter auf Papier erfassen. Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern sollen laut Entwurf bis zu zwei Jahre Zeit bekommen, um auf eine digitale Lösung umzustellen.
Für dich heißt das praktisch: Wenn dein Betrieb wächst, führt am Digitalen kein Weg vorbei. Und selbst wenn du unter die Kleinbetriebs-Ausnahme fällst, lohnt sich der Umstieg meist -weil sauber erfasste Stunden direkt in die Abrechnung wandern, statt am Monatsende mühsam aus Zetteln zusammengesucht zu werden.
Welche Methode passt zu deinem Betrieb?
Es gibt nicht die eine richtige Lösung, sondern die richtige für deine Größe und deinen Arbeitsalltag.
Papier-Stundenzettel sind erlaubt, solange du unter die Kleinbetriebs-Grenze fällst, und kosten nichts. Der Preis steckt woanders: Zettel gehen auf der Baustelle verloren, sind schwer lesbar, und am Monatsende sitzt jemand und tippt alles ab. Für einen Zwei-Mann-Betrieb okay, ab dem dritten Mitarbeiter wird es zur Fehlerquelle. Eine saubere Vorlage zum Start findest du in unserem Artikel Stundenzettel-Vorlage für Handwerker.
Excel oder Tabellen sind der nächste Schritt -billiger als Software, aber rechtlich heikel: Eine Tabelle lässt sich nachträglich ändern, ohne Spur zu hinterlassen. Bei einer Prüfung oder vor Gericht zählt das wenig. Als Übergang brauchbar, als Dauerlösung riskant.
Digitale Zeiterfassung per App ist für die meisten Handwerksbetriebe ab drei, vier Mitarbeitern der sinnvollste Weg. Der Mitarbeiter stempelt direkt auf der Baustelle per Smartphone, die Zeit landet manipulationssicher im System und ist sofort der richtigen Baustelle und dem richtigen Auftrag zugeordnet. Das spart nicht nur das Abtippen, sondern macht auch die Nachkalkulation möglich: Du siehst, ob ein Auftrag wirklich die kalkulierten Stunden gebraucht hat.
Worauf du bei einer digitalen Lösung achten solltest: manipulationssichere Speicherung, Baustellen- und Projektzuordnung, eine Schnittstelle zur Lohnabrechnung und -gerade im Handwerk wichtig -eine Offline-Funktion für Baustellen ohne Empfang.
So führst du die Umstellung im Betrieb ein
Die Technik ist das eine, die Akzeptanz im Team das andere. Erfahrungsgemäß scheitert die Einführung selten an der App, sondern daran, dass die Mannschaft das Gefühl hat, kontrolliert zu werden. Nimm dem Thema die Schärfe, indem du offen erklärst, worum es geht: nicht um Überwachung, sondern um korrekte Bezahlung jeder geleisteten Stunde und um rechtliche Absicherung -auch für die Mitarbeiter selbst.
Praktisch hat sich ein schrittweiser Start bewährt. Lege zuerst fest, was erfasst wird (Arbeitsbeginn, Pausen, Ende, Baustelle) und wer es einträgt. Teste die gewählte Lösung zwei, drei Wochen mit einer kleinen Gruppe, bevor du sie auf den ganzen Betrieb ausrollst. Kläre früh, wie mit Fahrtzeiten, Bereitschaft und Materialfahrten umgegangen wird -das sind im Handwerk die häufigsten Streitpunkte. Und dokumentiere die Regeln einmal sauber schriftlich, damit bei Urlaub, Krankheit oder einem neuen Azubi klar ist, wie erfasst wird.
Ein letzter Punkt, der oft vergessen wird: Die Aufzeichnungen müssen aufbewahrt werden -in der Regel zwei Jahre, für die Lohnabrechnung relevante Daten entsprechend länger. Eine digitale Lösung erledigt das automatisch, beim Papierstapel musst du selbst ein Archiv führen.
Von der erfassten Stunde zur bezahlten Rechnung
Zeiterfassung ist kein Selbstzweck. Die Stunde, die dein Geselle auf der Baustelle stempelt, muss am Ende zweimal richtig ankommen: im Lohn des Mitarbeiters und in der Rechnung an den Kunden. Genau an dieser Kette scheitern viele Betriebe -die Erfassung läuft, aber die Übertragung in Lohnabrechnung und Rechnungsstellung kostet trotzdem jeden Monat Stunden.
Wie du erfasste Zeiten korrekt in eine prüfungssichere Rechnung überführst, steht in unserem Leitfaden Handwerkerrechnung schreiben. Und wenn du die Software-Frage grundsätzlich angehst, hilft dir der Überblick im Artikel Rechnungsprogramm für Handwerker.
Was Smalt für dich übernimmt
Du sorgst dafür, dass die Stunden erfasst werden -um den Rest kümmern wir uns. Smalt übernimmt für Handwerksbetriebe die Lohnabrechnung auf Basis deiner erfassten Zeiten, die Rechnungsstellung an deine Kunden und die laufende Buchhaltung dahinter. Du bekommst eine feste Ansprechpartnerin, einen monatlichen Finanzüberblick und die Sicherheit, dass aus den Baustellen-Stunden am Ende korrekt bezahlte Löhne und gestellte Rechnungen werden -ohne dass du abends am Schreibtisch sitzt.
Gerade beim Thema Zeiterfassung zahlt sich das doppelt aus: Sauber dokumentierte Stunden sind nicht nur rechtlich gefordert, sie sind auch die Grundlage dafür, dass du keinen Cent verschenkst. Wenn du wissen willst, wie das konkret für deinen Betrieb aussieht, lass uns ein kostenloses Erstgespräch führen.
FAQ
Ist Zeiterfassung im Handwerk Pflicht?
Ja. Seit dem BAG-Urteil vom 13. September 2022 müssen alle Arbeitgeber die gesamte Arbeitszeit ihrer Beschäftigten erfassen -sofort und ohne Übergangsfrist. Die Pflicht gilt unabhängig von der Betriebsgröße, sobald du mindestens einen Mitarbeiter beschäftigst. Für Soloselbstständige ohne Angestellte besteht sie nicht.
Muss die Zeiterfassung digital sein?
Aktuell nicht zwingend -Papier ist erlaubt. Der für Juni 2026 erwartete Gesetzentwurf sieht die elektronische Erfassung aber für die meisten Betriebe vor, mit einer Ausnahme für Betriebe unter zehn Mitarbeitern. Betriebe bis 50 Mitarbeiter sollen eine Übergangsfrist von bis zu zwei Jahren bekommen.
Was kostet es, wenn ich keine Arbeitszeit erfasse?
Verstöße gegen die Aufzeichnungspflicht können mit Bußgeldern von bis zu 30.000 Euro geahndet werden. Hinzu kommt das Risiko bei Lohnstreitigkeiten: Kannst du keine Aufzeichnungen vorlegen, gilt im Zweifel die Darstellung des Mitarbeiters.
Was muss genau erfasst werden?
Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit inklusive Pausen -nicht nur Überstunden. Die Aufzeichnung muss objektiv, verlässlich und zugänglich sein, also nicht nachträglich unbemerkt veränderbar.
Lohnt sich digitale Zeiterfassung für einen kleinen Betrieb?
Meistens ja. Auch wenn du unter die Kleinbetriebs-Ausnahme fällst, sparst du mit einer App das Abtippen, vermeidest verlorene Zettel und kannst erfasste Stunden direkt in Lohn und Rechnung überführen. Der Zeitgewinn übersteigt die Kosten in der Regel schon ab wenigen Mitarbeitern.





